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Der Hauptmann von Köpenick >> Die Köpenickiade

   
 

Seinen am 16. Oktober 1906 folgenden Coup plante Voigt sorgfältig. So hatte er die vorangegangene Woche dazu benutzt, sich bei verschiedenen Trödlern in Potsdam und Berlin die Uniform eines preußischen "Hauptmanns des 1. Garde-Regiments zu Fuß" zusammenzukaufen.

Am frühen Morgen dieses Tages fährt Voigt von seinem Unterschlupf am Schlesischen Bahnhof zum Bahnhof Beusselstraße. Er holt seine Uniform aus der Gepäckaufbewahrung und läuft zur Jungferheide um sich umzuziehen. Anschließend fährt er nach Stralau-Rummelsburg und von dort mit dem Vorortzug nach Köpenick. Hier sondiert Voigt das Terrain, insbesondere prägt er sich die Gegend um das Rathaus ein. Danach fährt Voigt mit dem Nordringzug zum Bahnhof Putlitzstraße und drückt sich längere Zeit auf der Seestraße herum.

Gegen Mittag, zur Zeit der Wachablösungen, hält Voigt in der Sylter Straße einen Trupp Garde-Füsiliere an, der aus vier Mann und einem Unteroffizier besteht und als Wachmannschaft der Militärschwimmanstalt am Plötzensee auf dem Rückweg in die Kaserne ist. Der Unteroffizier lässt strammstehen und erstattet Meldung.
Unter Berufung auf allerhöchste Kabinettsorder unterstellt Voigt die Truppe seinem Befehl. Er entlässt den Unteroffizier, damit dieser seine Vorgesetzten unterrichten kann. Kurz darauf kapert Voigt die ebenfalls vorbeikommende, abgelöste Wache eines Schießstandes, welche aus 6 Mann vom 4. Garde-Regiment zu Fuß besteht.

Mit der ihm nun zur Verfügung stehenden Streitmacht marschiert Voigt zum Bahnhof Putlitzstraße und fährt von dort nach Köpenick. Am Rathaus angekommen lässt Voigt vor den Portalen und Nebeneingängen Posten aufstellen und die Tore schließen. Die örtliche Gendarmerie wird von Voigt angewiesen während der Aktion für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Im Vorzimmer des Bürgermeisters lässt Voigt den Oberstadtsekretär Rosenkranz arretieren, danach verhaftet er den Bürgermeister Dr. Georg Langerhans. Den Kassenrendanten von Wiltberg lässt Voigt einen Kassensturz machen und beschlagnahmt dann den Abschlussbetrag von 4000 Mark und 70 Pfennig gegen Quittung. Anschließend lässt er Dr. Langerhans und von Wiltberg zur Neuen Wache nach Berlin abtransportieren.

Seiner Truppe gibt Voigt den Auftrag, die Wachen nach einer halben Stunde einzuziehen, per Bahn nach Berlin abzurücken und sich in der Neuen Wache zu melden. Er selbst verlässt das Rathaus in Richtung Bahnhof Köpenick und verschwindet.

 
   

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